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Institut Diakrisis - Publikationshinweise

Buch: 'Marken dieses Äons'

Horst W. Beck: "Marken dieses Äons"

Wissenschaftskritische und theologische Diagnosen

Gustav-Siewerth-Akademie / Institut Diakrisis (Hrsg.)
Paperback, 150 S.,
15,00 Eur[D] / 16,00 Eur[A] / 30,00 sFr
ISBN 3-932829-81-6

Unter dem Titel "Marken dieses Äons - Wissenschaftskritische und theologische Diagnosen" sind drei Beiträge zusammengefügt, die sich inhaltlich teilweise überschneiden und sich doch je durch Entstehung und Absicht im eigenen Profil sachlich ergänzen. Die Stellungnahme zum bioethischen Ringen um die Würde des Menschen von der Empfängnis bis zum letzten Atemzug in diesem Äon entstand anlässlich des Theologischen Konventes in Krelingen "Die unantastbare Würde menschlichen Lebens - Was kann und darf die Biotechnologie" [21.-25.Nov.2001]. Es ist der weitergeführte Hintergrund des Vortrages "Mensch von Anfang an - bedacht an der Menschwerdung Christi" .

Das noch Ende des 18.Jahrhunderts von I. KANT respektierte Schöpfungsgeheimnis ist durch die Entwicklungsanschauung und die Zugriffsfähigkeit auf die molekularen Bausteine der Gene scheinbar längst entmythologisiert mit dem konsequenten Anspruch, Leben sei letztlich physiko-chemisch und informationstechnisch vollständig innerweltlich erklärbar und somit manipulierbar und in überschaubarer Zeit biotechnisch nach Plan produzierbar. Auf diesem Hintergrund des von der Mehrheit heutiger Wissenschaftler geteilten sog. konsequenten Naturalismus ist die Einforderung einer Würde des Lebens, zugespitzt einer unantastbaren Würde des menschlichen Lebens, wie es etwa die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland als sogar nicht abstimmbar formuliert, kaum mehr vermittelbar. In dem entbrannten bioethischen Diskurs wird die unantastbare Würde des menschlichen Lebens zu einem rückständigen, nicht mehr argumentativ vermittelbaren religiösen Bekenntnis einer wissenschaftlich unaufgeklärten Minderheit. Die folgende Stellungnahme versucht wissenschaftliche und biotechnologische Aufklärung der seit KANT verstrichenen zwei Jahrhunderte nüchtern zu akzeptieren, aber mit Anstrengung von Vernunftgründen auszuweisen, dass der physikalische, biologische und vor allem informationstheoretische Wissenszuwachs das Schöpfungsgeheimnis nicht eliminiert, vielmehr steigert. Nun ist es freilich in der bioethischen Auseinandersetzung um Machbarkeits- und Rechtspositionen ganz ungewohnt, in die letzten theoretischen Erkenntnisgründe heutiger Kosmologie, Mikrophysik und Informationswissenschaft einzudringen, um Verteidigungsargumente für das unergründliche Schöpfungsgeheimnis sowie die unantastbare Würde des Lebens zu präsentieren. Die Schwierigkeit des Erkenntnisfeldes ist einerseits für Leser und Disputanten eine Zumutung, andererseits ist es gerade diese höchste Herausforderung an den menschlichen Verstand, sich vor der Weish eit des Schöpfers zu beugen.

Es ist deshalb zwingend und erhellend, an die erreichte Erkenntnisfront der Forschung und Theorie vorzudringen, um Primitivurteile abzuweisen. Zu keinem Zeitschritt embryonaler Entwicklung stehen wir vor einem bloßen Schleimklumpen oder einem manipulierbaren Zellhaufen. Das Geheimnis regulierter Einheit ist vom ersten Zellstadium an erkennbar. Der Physiker B. HEIM, dessen Informations-, Energie-, Materie-Theorie wohl derzeit den reifsten Grad einer naturwissenschaftlichen Basistheorie bietet, stimmt nicht von ungefähr in das Bekenntnis des Anatomen BLECHSCHMIDT "Mensch von Anfang an" von seinem Startpunkt einer kosmischen Quantenfeldtheorie mit ein: die befruchtete Zygote koppelt von Anfang an mit einer führenden Individualsubstanz aus dem mehrdimensionalen Hyperraum, aus dem vom Elementarteilchen bis zu den komplexen Organismen alle atomaren Gebilde auf unserer Raum-Zeit-Bühne geheimnisvoll geführt sind. Da der zentrale Beitrag "Menschenmachen? - bedacht im gegenwärtigen Weltbildhorizont an der Menschwerdung Christi" die argumentative Untermauerung der vertretenen Urteile nicht allein leisten kann, wurde die Orientierungsskizze "Light, Space, and the Puzzle of Time" angefügt. Sie ist in Englisch belassen, da sie auf den internationalen Referenzrahmen angewiesen ist, zum anderen nur besonders Neugierige zum Vertiefen einlädt. Für Englischsprachige ist ein in sich geschlossener Einblick in die deutschsprachige Diskussionslage gewährt.

Auf das vielfältige Stöhnen von Lesern und Disputanten, warum denn nun auch das bioethische Urteilen an die Fronten von informationswissenschaftlichen und kosmologischen Grenzerkenntnissen führen müsse, habe ich einen zusammenführende Einleitung "Schöpfungstheoretisch-heilsgeschichtliche Eckpfeiler im Kontext heutiger Wissenschaft und Technologie" vorangestellt und durch zwei knappe Anhänge über die spannende Wissenschaftsentwicklung der vergangenen zweihundert Jahre ergänzt.

Alle drei Beiträge sind in sich abgerundet lesbar. Die Einbettung der bioethischen Stellungnahme in die weiteren Horizonte möge fruchtbar sein. Die dargebotene literarische Dreifaltigkeit mag über den Anlass hinaus auf die überraschende Offenheit wissenschaftlicher Erkenntnis für das Schöpfungsgeheimnis hinführen. Ich schließe bedacht mit einem Bekenntnis: Nie hätte ich als mit dem Wissenschaftspositivismus und Naturalismus des Zwanzigsten Jahrhunderts Indoktrinierter vor Jahrzehnten gehofft und erahnt, wie sich wahre Erkenntnis dem Biblischen Schöpfungsglauben von der Würde des Menschen im Zeichen des Ebenbildes zuneigt: "Wenn Er spricht, so geschieht's". Die Verheißung des Christus in der Bergrede[ Mat 7,7,] "Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan" erfüllt sich auch im denkenden Gewissen [KARL HEIM].